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Wer nicht gelegentlich auch einmal kausalwidrige Dinge zu denken vermag,
wird seine Wissenschaft nie um eine neue Idee bereichern können.

Max Planck

Zeitzeugenbesuch zum Thema „Euthanasie während der NS-Diktatur“

Das Thema „Gedenk- und Erinnerungskultur“ hat bereits am 27. Januar den ge3-Kurs dazu bewogen, die Thematik dahingehend praktisch umzusetzen, dass eine kleine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus durchgeführt wurde.

Die neue Sequenz über verschiedene Denkmäler und ihre jeweilige Funktion führte zu einer neuen Idee. Denn für die Opfer der Euthanasiemaßnahmen existiert neben dem festinstallierten Denkmal am Standort der dafür zuständigen Planungs- und Verwaltungsbehörde an der Tiergartenstraße 4 in Berlin ein mobiles Denkmal der „Grauen Busse“. Dieses kann auf Antrag für einen gewissen Zeitraum in jeder Stadt aufgestellt werden. Der Kurs fragte sich, ob Delmenhorst ein solcher Standort sein könnte. Aus diesem Grund verlagerte sich der Geschichtsunterricht am 21.02.2022 in unsere Bibliothek, um gemeinsam mit dem Zeitzeugen Friedrich Buhlrich, der Leiterin des Delmenhorster Heimatvereins, Herta Hoffmann, und dem Fachobmann für das Fach Geschichte am Maxe, Herrn Ingo Voigt, über das Gedenken der Euthanasie-Opfer ins Gespräch zu kommen.

Um das Thema zu erfassen, informierte Herr Friedrich Buhlrich eindringlich und umfassend über die Euthanasiemorde an seinen drei Geschwistern. Er selbst wurde 1946 direkt nach seiner Geburt adoptiert und erfuhr erst durch Zufall von den drei Kindern seiner Adoptiveltern, die in Heil- und Pflegeanstalten ermordet wurden: Hans Wilhelm im Alter von 10 Jahren am 17.10.1942 in der Heil- und Pflegeanstalt Kloster Kutzenberg sowie seine Schwestern Erika im Alter von acht Jahren am 23.11.1944 und Margret im Alter von knapp drei Jahren am 25.01.1945 in der „Kinderfachabteilung“ in Lüneburg. Auf der Sterbeurkunde der beiden Mädchen ist vermerkt, dass sie „in ihrer Wohnung“ verstorben seien. Intensive Forschungen, unter anderem anhand der Krankenakten, hat Friedrich Buhlrich unternommen. Inzwischen erinnern Stolpersteine am ersten Wohnort der Familie an das Schicksal der Geschwister Buhlrich. Immer wieder verdeutlichte der Zeitzeuge, dass jedes Opfer des Nationalsozialismus ein Opfer zu viel sei.

Bilder und Stolpersteine der Geschwister Buhlrich

Es müsse aber seiner Meinung nach viel stärker an das Schicksal der vielen Kinder- und Jugendlichen erinnert werden, die durch die Euthanasiemaßnahmen während des Nationalsozialismus‘ gelitten hätten oder – organisiert von der Planungs- und Verwaltungsbehörde in Berlin –  auf deutschem Boden in insgesamt sechs Vernichtungsstätten, z.B. in Hadamar, Grafeneck und Brandenburg, ermordet worden sind. Insgesamt seien während der NS-Diktatur ca. 200.000 Menschen in den Heil- und Pflegeanstalten sowie in den Vernichtungsstätten ermordet worden, ca. weitere 400.000 Menschen wurden gegen ihren Willen zwangssterilisiert.

Herr Buhlrich selbst setzt sich immer wieder dafür ein, die Erinnerung an die Euthanasiemorde während des Nationalsozialismus wach zu halten. So hat er zuletzt an einer digitalen Ausstellung in Lüneburg mitgearbeitet. Auch Herta Hoffmann zeigte Interesse daran, das Thema der Euthanasiemorde regional stärker in den Fokus zu nehmen. So seien vom damaligen Gesundheitsamt, ergänzte Herr Voigt, Delmenhorster unter anderem nach Oldenburg Wehnen in die damalige Heil- und Pflegeanstalt verlegt worden. Der Historiker Ingo Harms beziffert die Anzahl der Todesopfer allein in Oldenburg auf 1.500 Menschen. Nach seinen Forschungen seien schätzungsweise 200 bis 300 Menschen auch aus Delmenhorst, darunter mindestens sieben Kinder und Jugendliche, ermordet worden.

Eine daraus resultierende Leitfrage ist folglich, welche Art der Erinnerung bzw. des Gedenkens der Euthanasie-Opfer ist in Delmenhorst denkbar und im besten Fall realisierbar? Bisher existiert in Delmenhorst ein einziger Stolperstein für den Jugendlichen Horst Justus Hohorst. Vor sieben Jahren nahm sich die Ausstellung „entwertet. ausgegrenzt. getötet.“ im Jahr 2015 im Delmenhorster Rathaus des Themas an. Nun ist folglich zu prüfen, ob ein weiterer Schritt möglich sein kann, um öffentlich darauf aufmerksam zu machen, dass das Thema „Euthanasie“ auch in Delmenhorst und Umgebung während des Nationalsozialismus zum Alltag gehörte. Einig waren sich alle Anwesenden darin, dass jedes Opfer ein Opfer zu viel ist.

 

Bilder und Text: Irene Dölle

 

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