Im März 2025 kam mein Austauschpartner Sonny zu uns nach Delmenhorst und flog Ende Juni wieder zurück nach Frankreich.
Nach den Sommerferien flog ich dann selbst zusammen mit zwei weiteren Jungen aus meiner Heimatregion über München nach Marseille. Dort wurden wir von unseren Gastfamilien abgeholt und fuhren weiter in die Provence, nach Valensole bzw. Manosque und das Abenteuer Schulaustausch begann.
Ich konnte mich insgesamt schnell einleben, da mein Austauschschüler und ich uns bereits von seinem Aufenthalt in Deutschland kannten. Auch in der Schule war es nicht schwierig, neue Kontakte zu knüpfen. In meiner Klasse waren noch drei weitere Jungen aus Deutschland, die ebenfalls am Sauzayprogramm teilgenommen haben. Zusätzlich hatte ich das Glück, eine internationale Schule zu besuchen. In meiner Klasse und in der Schule gab es einige deutschsprachige Mitschüler, aber auch viele englischsprachige Schüler. Zum Beispiel habe ich dort meine Freundin kennengelernt, mit der ich auch nach dem Austausch täglich Kontakt habe. Sie ist Engländerin, und die Verständigung war deshalb überhaupt kein Problem. Meine Austauscherfahrung würde ich allerdings nicht direkt mit der von anderen vergleichen, da sie eher untypisch war: Meine Gastmutter ist Deutsche und mein Gastvater Australier, weshalb die Kinder in der Familie dreisprachig aufgewachsen sind.
Der Schulalltag unterschied sich in einigen Punkten deutlich vom Schulalltag in Deutschland. So benötigt jeder Schüler in
Frankreich ein sogenanntes „Carnet de Correspondance“, um das Schulgebäude betreten und verlassen zu dürfen. An meiner Schule gab es nur selten Doppelstunden, stattdessen folgte nach jeder Unterrichtsstunde von 45 Minuten eine kurze Pause von vier Minuten. Außerdem findet in Frankreich mittwochs kein Nachmittagsunterricht statt, weshalb die Schule an diesem Tag bereits um 12 Uhr endet. An den übrigen Tagen hat man meist bis 16 Uhr oder sogar länger Unterricht. Es ist außerdem üblich, mittags in der Schulkantine zu essen. Sehr überraschend fand ich, dass man insgesamt nur eine 10-minütige und eine 15-minütige Pause über den gesamten Schultag verteilt hat. Freizeit bleibt dadurch kaum, da der Unterricht sehr lange dauert und man zu Hause häufig noch lernen oder Hausaufgaben erledigen muss.
Kulturelle Unterschiede habe ich insgesamt kaum wahrgenommen. Am auffälligsten war für mich die sehr ländliche und eher abgelegene Lage. Morgens musste ich etwa 20 bis 30 Minuten mit dem Bus von Valensole nach Manosque zur Schule fahren und abends dieselbe Strecke wieder zurück.
Meine Gastfamilie hat mit mir mehrere Ausflüge in die Region unternommen. An einem Wochenende waren wir am Strand am Mittelmeer, an einem anderen Tag in den Bergen, die man sogar von unserem Haus aus sehen konnte. Außerdem haben wir uns zweimal mit allen anderen Austauschschülern getroffen: einmal bei uns zu Hause und ein weiteres Mal zum Bowlen.
Nach den ersten zwei Monaten in Frankreich absolvierte ich außerdem ein einwöchiges Praktikum. Meine Gastfamilie organisierte mir dafür einen Praktikumsplatz bei einem Tierarzt. Ich fand diese Erfahrung sehr bereichernd und würde ein solches Praktikum jederzeit auch in Deutschland noch einmal machen, wenn sich die Möglichkeit ergibt.
Ein weiteres Highlight während meines Aufenthalts war die Klassenfahrt nach Straßburg. Wir fuhren am Dienstagmorgen mit
dem Zug los und kamen am Samstag spät abends zurück. In diesen fünf Tagen haben wir viel unternommen. Unter anderem besuchten wir die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof. Außerdem machten wir eine längere Wanderung durch einen Wald und besichtigten verschiedene Gesteinsformationen. Zusätzlich standen der Besuch eines Schlosses sowie des Straßburger Münsters auf dem Programm. An einem anderen Tag besichtigten wir zwei Bunker und erhielten dort jeweils eine Führung. Besonders interessant fand ich den Besuch des Europaparlaments, bei dem wir ebenfalls eine Führung bekamen.
In Bezug auf meine persönliche Entwicklung habe ich vor allem gemerkt, dass ich deutlich offener geworden bin und es mir
leichter fällt, vor anderen Menschen zu sprechen. Am stärksten ist mir jedoch aufgefallen, dass ich selbstständiger geworden bin und häufiger Dinge alleine unternehme, ohne Angst zu haben, niemanden zu kennen. Auch das Ansprechen fremder Menschen fällt mir inzwischen viel leichter. Sprachlich habe ich ebenfalls Fortschritte gemacht: Ich verstehe mittlerweile deutlich mehr gesprochenes und geschriebenes Französisch. Das Sprechen selbst ist zwar weiterhin anspruchsvoll, hat sich aber während der drei Monate spürbar verbessert.
Sollte ich noch einmal an einem Austausch teilnehmen, würde ich alles genauso machen wie beim ersten Mal, da der Ablauf sehr gut funktioniert hat. Verbesserungsvorschläge für das Programm habe ich kaum. Sinnvoll wäre höchstens die Möglichkeit, Wünsche zur Region in Frankreich äußern zu können. Insgesamt würde ich den Austausch jedem empfehlen, der sein Französisch verbessern oder neue Erfahrungen sammeln und neue Menschen kennenlernen möchte. In dieser Hinsicht ist der Austausch eine sehr wertvolle Erfahrung, die man mindestens einmal gemacht haben sollte.
Rückblickend war meine Zeit in Frankreich eine wirklich tolle Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen würde – vielleicht dann in einer anderen Region.
Johanna Bay, 9c
Text und Bilder: Johanna Bay



